Michael Kessler und Tuk Tuk auf einem Feld zwischen Ratzeburg und Lübeck (Quelle: rbb/Stefan Wieduwilt)
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- Auf drei Rädern [AUDIO, STANDDATUM]

Für seine neue Expedition im rbb-Auftrag geht Michael Kessler buchstäblich an die Grenze. Rund 1.400 Kilometer legt der Comedian im Tuk Tuk zurück, knatternd immer entlang des ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifens. Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall hatte er bei seiner Reise noch immer richtige Gänsehaut-Momente, wie er im Interview erzählt.

Herr Kessler, Sie waren schon mit einem Esel, einem Hundeschlitten, ja sogar einem Rasenmäher unterwegs. Da scheint ein Tuk Tuk vergleichsweise komfortabel zu sein. Wie fährt es sich denn mit dem Gefährt?

Mein Tuk Tuk ist zwar schneller, als der Rasenmäher, aber fahren Sie mal "oben ohne" im Platzregen. Das Elektro-Dreirad ohne Dach mag für asiatische Klimazonen geeignet sein, bei einer Expedition wäre ich nach wie vor lieber mit der Dienstlimousine der Intendantin unterwegs.

Für Ihre neue Expedition tuckern Sie entlang des ehemaligen Grenzstreifens entlang. Sie wollten erfahren, ob 25 Jahre nach dem Mauerfall wirklich zusammengewachsen ist, was zusammengehört. Was ist Ihr Fazit?

Nirgendwo ist das, was unbedingt zusammengehört, so zusammengewachsen, wie an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und ich kann jedem grenzfernen Deutschen nur empfehlen, sich davon einmal selbst zu überzeugen. Damit auch der letzte Betonkopf versteht, welcher Gewinn die Wiedervereinigung für uns Deutsche ist.

Hat die ehemalige Teilung denn auch noch ihre Spuren hinterlassen?

Auch wenn die Natur allmählich Gras über den Grenzstreifen wachsen lässt, so ist dieser noch immer an vielen Stellen erschreckend deutlich sichtbar. Die Freilichtmuseen mit den Überresten der Grenzanlagen sind Mahnmale, die uns allen deutlich machen, dass wir diese unsinnige Trennung nie vergessen dürfen.

Ihre Expeditionen sind immer für Überraschungen gut. Auch für Sie selbst! Welches Erlebnis oder welche Begegnung hat Sie auf dieser Expedition ganz besonders beeindruckt?
Es ist - wie immer auf den Expeditionen - die Offenheit der Menschen, die mich besonders beeindruckt und der Verlauf mancher Tage. Da besichtige ich am Morgen den ehemaligen Grenzübergang Marienborn, um am Nachmittag in Lokstedt zufällig auf eine Frau zu treffen, der in Marienborn eine dramatische Flucht, versteckt in einem Auto, gelungen ist. Es gibt eben doch keinen Zufall…

Wie lange waren Sie insgesamt unterwegs?

Insgesamt vier Wochen. Wir haben die Expedition, wegen der Länge der Strecke aber in zwei Etappen a zwei Wochen geteilt.

Auf Ihrer Facebook-Seite haben Sie die Reise mitdokumentiert. Zwischen Hornburg und Jerxheim, schreiben Sie am 18. Juli, haben Sie ein blaues Hosenbein verloren. Finderlohn: eine Tasse Kaffee mit Ihnen. Ist es denn zum gemeinsamen Kaffeeklatsch gekommen?
Leider nein. Vermutlich hat ein Mensch in dieser Gegend genau so ein blaues Hosenbein benötigt und hat deshalb auf Kaffee und Kessler verzichtet.

"Michael Kessler liebt Grenzerfahrungen" heißt es auf Ihrer Facebookseite. Sind Sie auf der Reise entlang der Grenze auch an Ihre persönlichen Grenzen gekommen?
Definitiv ja. Ich kenne das grüne Band noch als Todesstreifen und habe das erste Silvester nach der Wende bei Rotkäppchen-Sekt auf einem Dorfplatz in Grenznähe gefeiert. Ost und West lagen sich da in den Armen. Das werde ich nie vergessen. Viele Erinnerungen wurden während der Reise wieder in mir wach. Die Schilderungen ehemaliger Grenzsoldaten haben mir Gänsehaut bereitet.

Das Interview mit Michael Kessler führte Ula Brunner.

Der erste Teil der Expedition bis nach Bad Sachsa im Harz ist am Freitag, 3. Oktober um 10:30 im Ersten zu sehen. Am Samstag, 4. Oktober um 10:03 folgt der zweite Teil der Reise bis an die Ostsee. Wer die Expedition ausführlich genießen will, schaut alle vier Folgen am 31.10., 07.11., 14.11. und 21.11. jeweils um 20:15 Uhr im rbb Fernsehen.