Junge Syrerin erhält Exzellenzpreis in Schwedt - Von null Deutsch zum Abi mit 1,0

Vor drei Jahren war Noor Yassin Kassab aus Syrien nach Deutschand ausgewandert. Nun hat sie ihr Abitur in Schwedt mit einem Notendurchschnitt von 1,0 abgelegt. Am Freitag bekam die 18-Jährige auch noch einen Exzellenzpreis. Noor ist eine Ausnahmeschülerin – in jeder Hinsicht. Von Sabine Kramm

Englisch und Mathe sind ihre Stärken. Doch Textaufgaben waren nach ihrer Ankunft in Deutschland eine Hürde für Noor Yassin Kassab – wegen der deutschen Sprache, die sie dann innerhalb eines Jahres fließend sprechen gelernt hat. Die Medizinertochter aus Syrien kam vor drei Jahren nach Schwedt ans Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium. Nun hat die 18-Jährige Abitur gemacht: Notendurchschnitt 1,0. Für herausragende Leistungen auf naturwissenschaftlichem Gebiet erhielt sie am Freitag auch den auf 1.200 Euro dotierten Exzellenz-Preis der Schwedter PCK Raffinerie GmbH.

Gemeinsam sind sie unschlagbar

Für den letzten Schultag hat sich Noor Yassin Kassab schick gemacht: weißes Kopftuch, ein langes dunkles Kleid und eine schmale Brille unter den markanten Augenbrauen. Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen Inga Maria Hoppert und Josefine Stargard waren sie als Dreiergespann unschlagbar: "Wir sind in vielen Dingen gleich", sagt Noor. Ihre Freundin Inga Maria ergänzt: "Ich denke, uns alle verbindet, dass wir schon sehr viel für die Schule machen." Mit Erfolg, denn auch sie wird am Freitag mit dem Exzellenzpreis der PCK-Raffinerie ausgezeichnet.

Viele Leute an der Schule waren ziemlich nett

Schwer und von viel Heimweh geprägt war die Zeit vor drei Jahren, als Noor mit kleinem Bruder und Eltern aus der syrischen Hafenstadt Latakia auswanderte und in Schwedt die 10. Klasse wiederholen musste: "Ich war ziemlich schüchtern und hatte am Anfang Angst, Deutsch zu reden. Ich konnte gar nichts verstehen, ich habe nichts mitbekommen. Sie mussten mir immer alles erklären, das war schwierig, für alle. Die beiden haben mich gezwungen, Deutsch zu reden. Ohne Inga und Fina hätte ich das nicht geschafft", sagt Noor.

Doch nicht nur die gleichgesinnten leistungsstarken Freundinnen an ihrer Seite waren Noors Glück, sondern auch das Klima an der Schule: "Viele Leute waren ziemlich nett. Das hat mich emotional unterstützt", sagt Noor. "Sie haben gelächelt und versucht, einfach Deutsch mit mir zu reden. Das hat alles geholfen."

Noor ist noch ganz anderer Hinsicht eine Ausnahmeschülerin am Schwedter Gauß-Gymnasium, erzählt Inga Maria Hoppert: "Am Anfang war es ungewohnt, denn in unserer Schule hatten wir nie Schüler aus dem Ausland, die auch noch ein Kopftuch getragen haben. Aber es ist eigentlich auch etwas Interessantes, und sie wird voll und ganz damit akzeptiert."

Freundin Josefine Stargard lernt mittlerweile schon Arabisch – ein gegenseitiges Nehmen und Geben ist ihre Freundschaft. Wohin die Wege die drei Einser-Kandidatinnen ab Herbst führen werden, wissen sie noch nicht genau. Aber eins steht fest: Inga Maria und Noor wollen Ärztinnen werden, Josefine Lehrerin.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrags wurde die Familie als Flüchtlingsfamilie beschrieben. Das ist nicht korrekt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Beitrag von Sabine Kramm

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