Innovations-Checkup für kleinere Unternehmen - BTU Cottbus ist neue Anlaufstelle für den Mittelstand

Die Produktion ständig verbessern, neue Herstellungs-Verfahren einführen, die Chancen der Digitalisierung nutzen: Das sind Herausforderungen, denen sich alle Unternehmen stellen müssen - bei Großkonzernen kümmern sich eigene Forschungsabteilungen darum. So große Unternehmen aber gibt es in Brandenburg kaum. Jetzt soll Technische Universität in Cottbus Abhilfe schaffen. Von Alex Krämer

 

Budget zwei Millionen Euro, acht Mitarbeiter - das sind die Eckdaten für das Innovationszentrum Moderne Industrie, das ab Juli an der BTU Cottbus die Arbeit aufnimmt. Baustein Nummer eins, erklärt Ulrich Berger, Professor für Automatisierungstechnik ist eine Modellfabrik: "Wir haben hier bearbeitende Maschinen, wir haben Roboteranlagen, wir haben Logistiksysteme."

Kooperationspartner unterstützen die Experten

Geräte, die sich Unternehmer in Cottbus mal ansehen können - um herauszufinden, ob davon etwas für sie taugt. Wichtiger aber ist Baustein Nummer zwei - die Cottbuser Spezialisten bieten den Firmen einen so genannten Innovations-Checkup an.

"Und da sind wir dann eine oder zwei Wochen unterwegs - je nachdem, wie das Unternehmen Zeit hat, da muss ja auch eigenes Personal mit rein", erläutert Berger. Und dann geben die Experten Ratschläge, vermitteln weiter an Forscher an der BTU oder anderswo. Kooperationspartner sind etwa das Fraunhofer-Institut für Automatisierung in Magdeburg oder die Fachhochschulen in Wildau, Brandenburg und Eberswalde.

Kunst: "Ein tolles Projekt"

Es geht auch ums Ausprobieren, sagt Wissenschaftsministerin Sabine Kunst: "Und das ist tatsächlich ein ziemlich dickes Brett. Da machen sich die Winterkorns dieser Welt auch echt 'ne Birne. Es diskutieren alle heiß drüber, aber es gibt tatsächlich kleingearbeitet keine Lösung. Insofern ist das ein tolles Projekt. "

Für die Unternehmen ist das neue Angebot kostenlos. Einer, der sagt, werd ich mal ausprobieren, ist Thorsten Ladweig, Geschäftsführer der Flamm Syscom aus Hennigsdorf, die mit 100 Mitarbeitern Metallteile für die Autoindustie herstellt - und ohnehin ständig an der Produktion herumtüftelt. "Für mich ist das Thema existenziell", sagt Ladweig, "wir wären sonst hier am Standort Henningsdorf nicht mehr da und würden relativ normale Stanzteile fertigen. Aber auf einem hohen Qualitätsniveau."

Ein bisschen aufrütteln

Die Hoffnung, die hinter dem Zwei-Millionen-Euro-Budget steht: Es sollen auch kleine Firmen, die sich bisher kaum um Innovationen kümmern, ein bisschen aufgerüttelt werden. Wirtschaftsminister Albrecht Gerber: "Die müssen jetzt nicht selber gucken und sich selber was ausdenken, sondern sie können erstmal einen Überblick bekommen, Anregungen bekommen, was tatsächlich für ihren speziellen Produktionsbereich notwendig ist. Das ist der Sinn des Ganzen, und am Ende natürlich auch wirklich eine Umsetzung im Produktionsprozess zu bekommen."

Die Laufzeit des Projekts beträgt erst einmal drei Jahre. Bei Erfolg ist eine Verlängerung wahrscheinlich.

Beitrag von Alex Krämer

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