Video: Abendschau | 21.06.2015 | Agnes Taegener

Proteste gegen Flüchtlingspolitik - Demonstranten legen symbolische Gräber vor Reichstag an

In einem "Marsch der Entschlossenen" sind etwa 5.000 Demonstranten bis zum Berliner Reichstag gezogen und haben dort mehrere symbolische Gräber für verstorbene Flüchtlinge angelegt. Der Protestzug sollte vor dem Kanzleramt enden, die Polizei aber hatte die Umzugsroute geändert. Dennoch zogen die Demonstranten vor den Reichstag.

Etwa 5.000 Demonstranten sind dem Aufruf des "Zentrum für Politische Schönheit" gefolgt und haben am Sonntag vor dem Reichstagsgebäude mehrere symbolische Gräber für ertrunkene Flüchtlinge angelegt. Laut Angaben der Polizei wurde ein Bauzaun umgerissen, der die Grünfläche vor dem Reichstag schützen sollte. Die Berliner Polizei hatte der Künstlergruppe zuvor untersagt, den Vorplatz des Kanzleramts aufzustemmen und dort Gräber anzulegen.

Trotzdem gruben die Demonstranten Löcher und errichteten Erdhügel. Darauf legten sie Blumen und Grabkerzen ab. Außerdem stellten sie Kreuze und Grabsteine auf, mit Aufschriften wie "Grenzen töten" oder "Den unbekannten Flüchtlingen". Die Polizei ließ die Demonstranten zunächst größtenteils gewähren. Als einige hundert Menschen ersten Aufforderungen, den Rasen zu verlassen, nicht nachkamen, wurden sie von den Beamten eingekreist. Sie skandierten sitzend: "Wir sind friedlich, was seid ihr?" oder auch "Grabschänder". Nach und nach wurden sie von den Polizisten durch Schubsen verdrängt - zum Teil auch mit Tritten und Schlägen. Vereinzelte Auseinandersetzungen dauerten am Abend nach 18.00 Uhr an.

Ursprünglich sollte der Protestzug vor dem Kanzleramt enden. Die Berliner Polizei hatte jedoch am Samstag die Umzugsroute verändert. Kurz vor dem Ziel wichen die Demonstranten von der vorgeschriebenen Strecke ab und zogen vor das Reichstagsgebäude. Nach Polizeiangaben kam es dabei auch zu Festnahmen. Es werde unter anderem wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt, hieß es.

Keine Särge, keine Bagger

Die Gruppe hatte das Schreiben der Polizei auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht. Darin heißt es, das Mitführen von Leichen werde untersagt. Särge oder "sargähnliche Behältnisse" müssten vorher überprüft werden. "Wie es verboten sein soll, vor dem Kanzleramt einen Sarg mitzuführen, bleibt uns schleierhaft", schrieb die Künstlergruppe.

Zudem wurde dem Schreiben nach das Mitführen eines Baggers beim "Marsch der Entschlossenen" untersagt  nicht. Die Berliner Polizei äußerte sich zu den Auflagen nicht und verwies auf den Veranstalter der Demonstration.

In der vergangnen Woche hatte das Künstler-Kollektiv bereits Bestattungen in Berlin zelebriert, bei der offenbar ertrunkene syrische Flüchtlinge beerdigt wurden, die zuvor unter anderem aus Sizilien überführt worden waren. Die Veranstaltungen sorgten für große Aufmerksamkeit.

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