Erfolgreicher Abschluss des WIKOB-Projekts - Polnischer Mist für brandenburgische Biogasanlagen

Die Zusammenarbeit hat funktioniert, mehr noch, die Erwartungen wurden übertroffen: WIKOB, das deutsch-polnische Wirtschaftskooperationsprojekt in Cottbus, geht nach zwei Jahren zu Ende. Nun ist eine zweite Runde geplant. Von Steffi Seiler

Neue Kontakte zu polnischen Firmen und eine langfristige Zusammenarbeit über die Grenze hinaus – das ist das Ziel von Hardy Cruz Pinto. Er ist Chef der IN.E.S. GmbH in Cottbus, die Wärme und Strom aus Biogasanlagen liefert. Für eine Biogasanlage benötigt man in einem Jahr etwa 30.000 Tonnen Biomasse. Der Job von Hardy Cruz Pinto ist es, Biogas aus Mist zu gewinnen. Doch auf deutscher Seite sind Festmist oder Gülle rar – im Gegensatz zu Polen.

Definitiv den richtigen Weg gewählt

Die IN.E.S. GmbH ist eine der Firmen, die am Projekt WIKOB (Wirtschaftskooperationsbüro der Euroregion Spree-Neiße-Bober) teilgenommen haben. WIKOB stützt gemeinsam mit dem polnischen Partner Unternehmen diesseits und jenseits der Oder und Neiße bei grenzüberschreitenden Wirtschaftsaktivitäten. "Wir haben definitiv den richtigen Weg gewählt. Denn wir alleine hätten es ohne WIKOB nicht schaffen können. Es gab viele interessante Episoden, die wir alleine nicht hätten meistern können. Die sprachliche Barriere war da noch das wenigste", sagt Cruz Pinot. Zwei Muttersprachler unterstützen das deutsch-polnische Büro. Der Unternehmer ist mehr als glücklich mit dem Ergebnis: "Für das Projekt sind die Ziele absolut erreicht, sogar übererfüllt. Es ist wirklich mehr als wir uns erträumt hatten." Vier Biogasanlagen sind nun in Planung.

Hotel "Zur Bleiche" in Burg (Quelle: imago)Das Hote "Zur Bleiche" hat jetzt auch Praktikantinnen aus Polen

Wenn im Spa Hotel Polnisch gelernt wird

Auch Heike Vogl vom Spa Hotel "Zur Bleiche" in Burg im Spreewald ist zufrieden. Polnische Mitarbeiter gehören zwar schon lange zu ihrem Hotel. Doch junge Azubis sind schwer zu finden, vor allem im Süden Brandenburgs. "Es gibt hier viel weniger Jugendliche und die Gastronomie hat leider auch nicht den besten Ruf. Wir müssen immer dann arbeiten, wenn andere frei haben.“ Doch polnische Jugendliche, meint sie, seien anders. Sie freuen sich über die Möglichkeit, arbeiten zu können und nehmen auch die lange Distanz zur Heimat in Kauf.

"Wir haben uns dem Thema Fachkräftemangel zugewendet. Nicht in dem Sinne, unsere Probleme auf Kosten der polnischen Seite lösen zu wollen, sondern um eine Win-Win-Situation anzustreben", erklärt Wolfgang Krüger von der IHK. Indem das Projekt polnischen Jugendlichen ermöglicht, über Praktika in Deutschland, berufliche Erfahrungen zu sammeln und dieses Wissen dann in Polen anzuwenden, konnten Defizite der dualen Ausbildung auf polnischer Seite ausgeglichen werden.

Vier Praktikantinnen einer Hotelfachschule aus Polen lernen derzeit in der "Bleiche". Zwar gäbe es immer mal wieder Probleme mit dem Heimweh, erzählt Vogl, aber auch das vergehe. Sie plant, weitere Praktikanten einzustellen: "Wir haben im Sommer noch ein Treffen und im Herbst sollen die nächsten Schüler zu uns kommen. Vom Koch bis zur Empfangsdame, wir haben überall Bedarf an jungen Leuten." Für die neuen Mitarbeiter bietet das Hotel Deutschunterricht an. Umgekehrt soll das deutsche Personal in Zukunft die Möglichkeit bekommen, Polnisch zu lernen, um noch besser zusammenarbeiten zu können.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen

Es sind nur zwei der Unternehmen, die im Rahmen der zweieinhalbjährigen Laufzeit von WIKOB gefördert wurden. Das Ergebnis, so die Bilanz, kann sich sehen lassen. Workshops, Seminare und Unternehmertreffen wurden überaus gut besucht, 50 deutsch-polnische Partnerschaften konnten geknüpft und 20 polnische Azubis und Praktikanten nach Südbrandenburg vermittelt werden.

Finanziert wurde WIKOB zu 85 Prozent aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Operationellen Programms zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit Polen (Wojewodschaft Lubuskie) – Brandenburg 2007-2013. Als Träger fungierten die IHK Cottbus sowie auf polnischer Seite der Arbeitgeberverband Lebuser Land.

Es wurde in vielen Branchen Südbrandenburgs und Polens kooperiert und das soll auch so weitergehen. Zwar endet das Projekt am 30. Juni 2015 aber alle Beteiligten sind sich einig: Es muss weitergehen. Die Anträge für eine Verlängerung sind bereits eingereicht, doch natürlich nimmt die Prüfung eine lange Zeit in Anspruch. Deshalb hat sich die IHK Cottbus entschlossen, das Projekt weiter zu führen und die Kosten selbst zu tragen. So lange, bis in Brüssel die Entscheidung über die Verlängerung gefallen ist.

Beitrag von Steffi Seiler

Das könnte Sie auch interessieren