Wohnkultur bei Von-und-zu - Pückler-Salons strahlen in fürstlicher Pracht

Eine Orgie aus Stoff und Farben - auf Schloss Branitz hat Hermann Fürst von Pückler-Muskau seinen Wohntraum verwirklicht. Nach aufwendiger Restaurierung stehen die beiden opulent ausgestatteten Pückler-Salons den Besuchern wieder offen. Von Sylvia Belka-Lorenz

Seidenbespannte Wände, dicke bunte Bodenbeläge, güldene Ornamente, Bordüren, Spiegel, Polster: Die beiden frisch restaurierten Pückler-Salons im Schloss Branitz sind ein wahres Farbenfest. Zu leuchtend blauen Wänden liegt hier ein smaragdgrüner Teppich mit großem Blumenmuster in purpur.

Hier residierte nicht irgendwer: Hier wohnte, arbeitete, liebte und protzte eine der schillerndsten Figuren in der brandenburgisch-preußischen Geschichte: Fürst Hermann von Pückler-Muskau, der als Gartenarchitekt zu Weltruhm gelangte. In Branitz wollte Fürst Pückler seine Idee von Schönheit vollenden: die perfekte Einheit von Garten und Schloss; das Innere des Schlosses in Symbiose mit dem umgebenden Park. Sein oberstes Ziel: dem Besucher für immer unvergesslich zu sein.

Residenz eines Exzentrikers

Pückler (1785 – 1871), ein preußischer Standesherr, Generalleutnant, Landschaftsarchitekt und Schriftsteller, hatte schon die halbe Welt bereist, als er seinen Wohnsitz in den märkischen Sand setzte. Branitz wurde sowohl Altersresidenz wie auch exzentrisches Meisterwerk. Die Salons des Fürsten stehen exemplarisch für fürstliche Wohnkultur des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig zeugen sie vom extraordinären Lebensstil und dem Selbstverständnis des Fürsten: als Künstler, als Playboy, als Mann von Welt – mit einem überdimensional ausgeprägten Sinn für Selbstinszenierung.

Getreu dem Original haben Fachleute Pücklers Wohnwelt anhand von Briefen, alten Rechnungen und Aufträgen an die Handwerker rekonstruiert. Es sei ein gemeinsamer Kraftakt von Wissenschaftlern, Architekten, Restauratoren, Handwerkern und Bauleuten gewesen, betont der Direktor der Branitzer Stiftung, Gert Streidt.

Aus dem Ganzen geschnitzt

In den Räumen scheint der Geist Pücklers geradezu wiederbelebt worden zu sein: seine Weltläufigkeit, seine Liebe zum Orient, die besondere Affinität zum englischen und französischen Zeitgeist. Er war ein Adliger, der sich um Konventionen nicht kümmerte, sondern allein seiner Kunst und seinen Launen folgte.

So ließ sich Pückler ein kleines Buffet arbeiten unter der Vorgabe es solle "aus dem Ganzen geschnitzt" sein und bitte "nichts Angesetztes" an sich haben. Als Vorlage diente ihm die französischen Zeitschrift "Le Garde-Meuble". Opulent sollten die Salons sein, schließlich wurden hier die Gäste empfangen – und die galt es zu beeindrucken. So rekonstruierten die Fachleute die Wandbespannungen der Salons anhand der Seidenbespannung im Orangerieschloss in Sanssouci. Anhaltspunkte für die Spannteppiche, die der Fürst auf seiner Englandreise kennengelernt hatte, fanden sich in den Firmenarchiven einer auch gegenwärtig noch existierenden Teppichfabrik im schlesischen Schmiedeberg, heute Kowary.

Aufwändig rekonstruiert

Jetzt sind die beiden restaurierten Salons des Branitzer Schlosses für Besucher geöffnet. Die originalgetreue Wiederherstellung war der letzte Bauabschnitt eines wissenschaftlich wie finanziell aufwändigen Restaurierungsprojektes aus Mitteln der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Sparkasse Spree-Neiße und des Bundes. So aufwändig offenbar, dass über die Summe der Fördermittel, ganz dem Vorbild entsprechend, vornehm geschwiegen wird.

Beitrag von Sylvia Belka-Lorenz

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