Königin Elizabeth II. und Prinz Philip (Quelle: dpa)

Die Queen naht - Berlin erwartet den Besuch der alten Dame

Die Queen feiert Goldene Hochzeit mit Berlin: Genau 50 Jahre nach ihrem ersten Besuch wird Elisabeth II. am Dienstag wieder in der Hauptstadt landen. Diese siebte Visite der königlichen alten Dame ist durchaus symbolträchtig, Queen-Fans werden es aber schwer haben.

Berlin darf sich geehrt fühlen: Sechs Mal war die Queen bereits in der Stadt, doch dieser Staatsbesuch dürfte in dieser Reihe ein ganz besonderer werden. Denn genau vor 50 Jahren war sie zum ersten Mal in ihrer Funktion als königliches Staatsoberhaupt in der Stadt. Damals setzte sie ein politisches Statement - wenn auch mit royal-zurückhaltender Geste: Am Brandenburger Tor fuhr sie bei ihrem Besuch im Frühsommer 1965 bis fast an die Mauer und warf demonstrativ einen Blick auf die andere Seite. Prinz Philip winkte gar in den Osten der geteilten Stadt.  

Die britische Queen Elizabeth II. (M) gemeinsam mit Bundeskanzler Ludwig Erhard (r) und Willy Brandt (l), Regierender Bürgermeister von Berlin, während eines Staatsbesuchs 1965 in einer Loge vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin. (Quelle: dpa)
Mit diesem knallgelben Hut war sie 1965 auch am Brandenburger Tor: Die Queen neben Willy Brandt. | Quelle: dpa

Jubiläumsgeschenk an die Stadt

Auch wenn es dieser Gesten - zum Glück -  nicht mehr bedarf, dürfte Elisabeth II. kurzfristig zur Queen of Berlin werden, denn die Monarchin ist bei den Deutschen beliebt und ihr Besuch auch ein Jubiläumsgeschenk an die inzwischen wiedervereinte Stadt. Die 89-Jährige und ihren Ehemann Prinz Philip haben ein strammes, viertägiges Besuchsprogramm vor sich. Inklusive zweier Abstechern nach Frankfurt am Main und nach Niedersachsen.

Anders als bei ihrem elftägigen Besuch 1965 wird es ab Dienstag allerdings etwas schwerer werden, einen Blick auf die Queen zu erhaschen. Damals fuhr sie in Berlin in einer offenen Limousine stehend durch die Straßen, die gesäumt waren von begeisterten Schaulustigen. Am kommenden Mittwoch sollten sich Royalisten und Queen-Fans dagegen entlang der Spree postieren, denn dann lädt Bundespräsident Joachim Gauck zur gemeinsamen Bootsfahrt. Alternativ bietet sich ein Gang zum Brandenburger Tor an, denn dieses wird die Queen am Freitagmorgen durchschreiten und sich damit - doch wieder sehr symbolträchtig - von Berlin verabschieden.

Genau Route wird nicht veröffentlicht

Aus Sicherheitsgründen werden allerdings außer den bekannten Programmpunkten (siehe auch unten) "keine weiteren Informationen über Zeitpunkt, Ort und Umfang weiterer Stationen und Fahrtstrecken veröffentlicht", heißt es bei der Verkehrsinformationszentrale Berlin. Demnach gilt für den Besuch der Queen in der Stadt Sicherheitsstufe 2. Diese wird immer dann erteilt, wenn es einen Anschlag geben kann, aber keine konkreten Hinweise dafür vorliegen. Autofahrer sollten die Innenstadt besonders am Mittwoch und am Freitagmorgen meiden.

Schlafzimmer der Präsidentensuite im Hotel Adlon in Berlin (Quelle: imago)
Schlafzimmer der Präsidentensuite im Hotel Adlon | Quelle:

Nur dezenter Blumenduft gewünscht

Von Seiten des Protokolls wird einiges dafür getan, um die Stadt von ihrer besten Seite zu zeigen. Wenn Elisabeth II. an Bord einer Maschine der Royal Air Force am Dienstagabend auf dem Flughafen Tegel landet, wird sie von einer Ehrengarde mit 21 Salutschüssen begrüßt. Mehr steht für diesen Tag nicht auf dem Programm - die Queen kann es sich in ihrer 200-Quadratmeter-Suite im Hotel Adlon bequem machen. Vertrautes Terrain für sie, denn bereits 2004 durfte sie Bekannschaft mit dem bescheidenen Glanz der Hütte schließen. Ein persönlicher Butler, eine Sauna im Badezimmer und individueller Blumenschmuck sind inklusive, wobei kolportiert wird, dass vor allem der Florist sich zusammennehmen muss ("Einen starken Geruch erträgt sie nicht"). Dem Butler kommt dem Vernehmen nach die Aufgabe zu, für Majestät die Zeitungen zu bügeln.

Rückblick: 50 Jahre Queen & Berlin

Am Mittwoch wird's politisch

Am Mittwoch könnte es dann anstrengend werden für die 89-Jährige und ihren bereits 94-jährigen Gemahl Prinz Philip. Auf dem Programm stehen der offizielle Empfang beim Bundespräsidenten, eine Schifffahrt auf der Spree und ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Anschließend legt die Königin an der Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Neue Wache) einen Kranz nieder.

Weiter geht es mit einem Besuch der Technischen Universität: Dort trifft sie Studenten, im Rahmen der "Queen's Lecture" wird Neil McGregor sprechen, der Gründungsintendant des neuen Humboldt-Forums. Elisabeth selber hatte diese Vortragsreihe bei ihrem ersten Staatsbesuch in Deutschland 1965 ins Leben gerufen. Der lange Tag endet mit einem Staatsbankett in Schloss Bellevue.

Insgesamt ist das Programm auffallend politisch: Auf Wunsch der Queen folgt am Donnerstagmorgen der Besuch der Paulskirche in Frankfurt am Main, die dank der ersten frei gewählten deutschen Volksvertretung im Jahr 1848 als Wiege der Demokratie gilt. Vor ihrer Rückreise am Freitag wird sie sich in Niedersachsen außerdem die Gedenkstätte Bergen-Belsen zeigen lassen.

Ein Geburtstagsständchen für die Queen?

Während ihres Besuchs wird die Queen aber auch zur Gastgeberin. Am Donnerstag lädt sie zusammen mit Botschafter Sir Simon McDonald in den Garten der Botschafterresidenz zur Queen's Birthday Party. Geburtstag hatte sie zwar schon am 21. April, doch traditionell wird der Tag in den britischen Botschaften weltweit mit einem Sommerempfang nachgefeiert. "Ich bin schon ein bisschen aufgeregt", gibt der Berliner Fotograf Martin Lengemann im Gespräch mit dem rbb zu. Er ist einer von vier Berlinern und Brandenburgern, die per Bewerbung auf Facebook einen der Plätze aus der Gästeliste ergattert haben. "Ich finde es ganz großartig, so nah dabei sein zu können", so Lengemann.  Schließlich sei sie neben dem Papst "die globalste Figur, die es gibt".

Vorsorglich wurden den Gästen mit der Einladung ein paar Benimmregeln zugeschickt: Vorgeschrieben ist Anzug für die Herren, erklärt Lengemann, "und jedes Gespräch mit der Queen ist ein persönliches." Das heißt: Man macht nichts von dem öffentlich, was man mit der Queen besprochen hat. Vorausgesetzt, es kommt überhaupt zur verbalen Interaktion mit ihr, denn den ersten Schritt muss auf jeden Fall die Queen machen.

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