Demonstranten während des Warnstreiks der Beschäftigten der Charite am 28 04 2015 in Berlin (Quelle: imago/Markus Heine)

Unbefristete Arbeitsniederlegungen - Charité-Mitarbeiter streiken ab 22. Juni

Nach einer 96-Prozent-Entscheidung bei der Urabstimmung macht Verdi jetzt Ernst an der Berliner Charité: Am 22. Juni tritt das Pflegepersonal an der Berliner Universitätsklinik in einen unbefristeten Streik.

Die Gewerkschaft Verdi ruft ihre Mitglieder am Berliner Universitätsklinikum Charité vom 22. Juni an zu einem unbefristeten Streik auf. Der Aufruf werde am Mittwoch verschickt, kündigte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger am Dienstag an. "Wir fordern die Charité auf, keine Nebelkerzen mehr zu werfen und ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Beschäftigten endlich gerecht zu werden", sagte Jäger.

Zuvor hatten rund 96 Prozent der Verdi-Mitglieder an der Charité für den unbefristeten Streik gestimmt, wie die Gewerkschaft vorige Woche bekanntgab. Unklar war bislang nur, wann genau der Streik beginnen würde.

Im April hatte es bereits Warnstreiks an der Charité gegeben, Hunderte Mitarbeiter legten die Arbeit nieder. Rund 400 Operationen mussten abgesagt werden.

Angaben darüber, wie viele Mitglieder die Gewerkschaft unter den rund 13.000 Beschäftigten der größten deutschen Universitätsklinik hat, macht Verdi nicht.

Charité: Gewerkschaftsforderungen nicht bezahlbar

Der Charité-Vorstand teile die Auffassung, dass eine bessere Personalausstattung wünschenswert wäre, erklärte die Klinik am Freitag. Die Forderungen von Verdi seien jedoch ein gesamtgesellschaftliches Thema und beträfen alle Krankenhäuser in Deutschland. "Es kann deshalb nur auf der bundespolitischen Ebene gelöst werden", sagte Charité-Sprecher Uwe Dolderer.

Ein Streik sei das falsche Mittel, weil er auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werde, hieß es weiter. Die Charité habe ein "sehr gutes" Angebot vorgelegt, das die Schaffung von 80 zusätzlichen Stellen vorsehe. Die Forderungen von Verdi würden für die Charité 600 zusätzliche Stellen und Kosten von bis zu 36 Millionen Euro bedeuten. Das sei nicht bezahlbar.

Verdi fordert Quoten-Regelung

In dem Konflikt geht es vor allem um Forderungen der Pflegekräfte nach mehr Personal und besseren betrieblichen Normen. Die Gewerkschaft fordert unter anderem Quoten, die regeln sollen, um wie viele Patienten sich ein Pfleger kümmern muss. Dies soll eine bessere Versorgung und geringere Belastung für die Pflegekräfte bringen. Idealerweise betrage das Verhältnis von Pflegern und Patienten auf Intensivstationen maximal 1:2, auf Normalstationen 1:5, hieß es. Aktuell liege das Verhältnis aber je nach Station bei etwa 1:12.

Die Charité ist mit mehr als 3.000 Betten an den Standorten Mitte, Wedding (Virchow-Klinikum) und Steglitz (Benjamin Franklin) das größte Universitätsklinikum Europas. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Charité ein Plus von 7,6 Millionen Euro.

 

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